08.01.2017
Neujahrsempfang in Dollnstein

Dollnstein (max.) Zahlreiche Ehrungen standen im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs der Marktgemeinde Dollnstein, der zum ersten Mal in der Aula der hiesigen Grundschule durchgeführt wurde. Höhepunkt der Festveranstaltung war zweifelsohne die Verleihung der Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ an die beiden ehemaligen Dollnsteiner Bürgermeister Konrad Liepold und Hans Harrer. Aber nicht nur die Örtlichkeit war neu gewählt, auch das Gesamtkonzept, das auch die musikalische Untermalung durch die Dollnsteiner Blaskapelle unter der Leitung ihres Kapellmeisters Andreas Würzburger beinhaltete, erfuhr eine grundlegende Neuerung, hatte Bürgermeister Wolfgang Roßkopf mit dem Vizepräsidenten der KU Eichstätt-Ingolstadt, Prof. Dr. Klaus Stüwe einen hochrangingen Festredner an Land gezogen. Stüwe referierte zum Thema „Ist die die Demokratie in der Krise?“ Roßkopf konnte neben einer stattlichen Anzahl von Repräsentanten des öffentlichen Lebens seiner Marktgemeinde auch viel politische Prominenz begrüßen. So waren Landrat Anton Knapp MdL Tanja Schorer-Dremel, MdL Eva Gottstein und Bezirksrat Reinhard Eichiner der Einladung gefolgt und gaben der Festveranstaltung einen würdigen Rahmen. Das Gemeindeoberhaupt bezeichnete den Neujahrempfang als eine Plattform, die Gelegenheit biete, Dank zu sagen sowie Ausschau zu halten für die kommenden Aufgaben. Den zahlreich erschienenen Vertreterinnen und Vertretern der Ehrenamtlichen sprach er seinen herzlichen Dank für das unermüdliche Wirken und intensive Engagement aus. Bei seiner Rückschau erinnerteRoßkopf nochmals an die im letzten Jahr für die Bevölkerung des Innenmarktes sehr aufwändige und mitunter beschwerliche Umgestaltung des Straßenzuges im Bereich der Papst-Viktor-Straße. Dabei stellte auch die Organisation der Schülerbeförderung eine große Herausforderung dar. Sein Dank galt deshalb auch der Hausherrin des Abends, Schulleiterin Frau Brigitta Koch sowie dem gesamten Lehrerteam, dass es diese nicht immer einfache Aufgabe bestens meisterte. Der Bürgermeister ging auch auf die aktuelle weltpolitische Situation ein, die unmittelbare Auswirkungen auf die Kommunen hat. Die Kriege in Syrien, im Iran, die Krisen in afrikanischen Ländern und die daraus resultierenden Fluchtbewegungen wirkten sich im vergangenen Jahr in besonderem Maße auf das Leben in Europa aus. Die Flüchtlingsentwicklung sowie ein großangelegter islamistisch geprägter Terrorismus führten zu einer Veränderung der Gesellschaft, was unter anderem in der großen Anzahl von Flüchtlingen zu erkennen ist, die in Dollnstein untergebracht sind. Ein herzlicher Dank an die Helferkreise, die im Gemeindegebiet „für die Integration von größter Wichtigkeit und schätzbarem Wert“ sind, war deshalb mehr als obligatorische verbale Pflichterfüllung. Auch das Grußwort von Landrat Anton Knapp, das er stellvertretend für die gesamte geladene Politprominenz sprach, war geprägt von den schrecklichen Terroranschlägen, die unweigerlich zu der Frage führte, was die Zukunft bringe. Die Antwort war so schlicht wie auch einleuchtend: Wir wissen es nicht. Trotzdem sei es wichtig, sich immer wieder neue Ziele zu setzen. Im Anschluss ging der Vizepräsident der KU Eichstätt-Ingolstadt, Prof. Dr. Klaus Stüwe, in seinem durchaus sehr gesellschaftskritischen Festvortrag der Frage nach, woraus sich die schlechte Stimmung trotz einer prosperierender wirtschaftlichen Situation, die sich an guten Konjunkturdaten und vor allem an der Arbeitslosenquote von 3,2% in Bayern ablesen lasse, erklären lasse. „Ist die Demokratie in der Krise?“ fragte deshalb Stüwe, der an der KU den Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft innehat. Der Zukunftsoptimismus ist in den letzten 12 Monaten regelrecht zusammengebrochen, so der Politologe. Als zentrale Ursache für die derzeit düstere politische Stimmung machte Stüwe eine zentrale Ursache aus: Unsicherheit. Viele Menschen haben Sorgen wegen Terror und Kriminalität, befürchten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und fürchteten angesichts der Zuwanderung um ihre kulturelle Identität. Die Lage sei, so Stüwe, paradox, denn eigentlich sei Deutschland ein sicheres Land. Trotzdem könne man nicht sagen, dass die Sorgen unbegründet sind. Diese Diskrepanz erläuterte Stüwe anhand einer Fülle an Zahlen und Statistiken. Lange hätten die etablierten politischen Parteien diese Sorgen der Wähler ignoriert. Die Folgen seien dramatisch: Es ist auf beiden Seiten zu einem immensen Vertrauensverlust gekommen. Während viele Wähler der Meinung sind, dass die Politiker ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen sind, „sprechen nicht wenige Politiker den Wählern implizit die politische Urteilsfähigkeit ab oder unterstellen ihnen gar vorschnell rechtsradikales Gedankengut.“ Das Schaffen „eigener Welten“ in sozialen Netzwerken, aber auch die Abkapselung der politischen Parteien haben dazu geführt, dass die Sorgen, die Verunsicherung und die Skepsis auf politischer Ebene keine Stimme hatte und so politisch nicht aufgefangen wurde. Besonders die mittleren Jahrgänge und die Arbeiterschaft fühlten sich politisch nicht vertreten. So sei das Erstarken populistischer Parteien zu erklären. Trotzdem hatte Stüwe am Ende einen Hoffnungsschimmer parat. „Die Demokratie ist nicht am Ende“ meinte Stüwe, denn 77% der Deutschen halten nach wie diese Staatsform für die beste. Gegen Ängste lassen sich etwas unternehmen, nämlich kluges politisches Handeln. „Politik muss dafür sorgen, dass sich die Menschen sicher fühlen“, formulierte Stüwe am Ende ein eindringliches Plädoyer. Als der Bürgermeister nach den Ehrungen und der Bayernhymne das Buffet eröffnete und damit den Auftakt für den gemütlichen Teil signalisierte, lud er seine Gäste zugleich dazu ein, sich dem angeregten Smalltalk und der gedeihlichen Netzwerkarbeit zu widmen. Ehrungen Geehrt wurden Bürgerinnen und Bürger, die sich im Ehrenamt, aber auch durch sportliche Leistungen außerordentlich und herausragend profiliert hatten: Anna Koderer und Lea Harrer erreichten bei den oberbayerischen Kurzbahnmeisterschaften über 200 Meter Brust Treppchenplätze. Sophie Lutter, Fabian Pape, Alexander Pape, Michael Hajak, Peter Hochstatter, Manuel Wenzel, Simon Pfisterer und Simon Unterseher vom Kegelclub Dollnstein konnten bei bayerischen und schwäbischen Meisterschaften sowie bei VSAK-Meisterschaften beachtliche Erfolge einfahren.