04.10.2018
Podiumsdiskussion: Frauen & Politik

Auf Einladung von Ursula Fiechtner, Kreisbäuerin des Landkreises Bad Tölz- Wolfratshausen, kam ich als frauenpolitische Sprecherin unserer Fraktion gerne, um über die Parität in der Politik zu informieren und mit fünf weiteren Gästen darüber zu diskutieren.

Seit genau 100 Jahren dürfen Frauen ihre politischen Vertreter selber wählen – sie haben das „Wahlrecht“. Dass dies ein respektabler Meilenstein in der deutschen Geschichte ist, darauf wies Ursula Fiechtner die Besucherinnen und Besucher zu Beginn der Veranstaltung „Frauen und Politik“ hin. Es gibt viele Themen, bei denen sich Frauen engagieren könnten. Besonders Nachwuchs für die politischen Belange wäre wichtig“, resümierte Ursula Fiechtner.

Durch meine anschließende Präsentation über die Frauen/Männer-Verteilung in den Parlamenten auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene wurde überall die Männerdominanz eklatant sichtbar. So liegt beispielsweise der Frauenanteil bei den Landräten in Bayern lediglich bei sechs Prozent und bei den Bürgermeistern in Bayern nur bei acht Prozent! Es ist überaus wichtig, dass politisch engagierte Frauen als Fürsprecherinnen für alle Frauen fungieren und sich für deren Interessen und Belange einsetzen. Sie verstehen die Nöte und Sorgen von Frauen einfach besser und nur so kann das alte Rollenmodell „Männer entscheiden – Frauen setzen um“ aufgebrochen werden.

Neben der Gastgeberin Ursula Fiechtner saßen auch Susanne Merk, Kreisvorsitzende der Freien Wähler Bad Tölz, die Unternehmerin und Dreifachmutter Fanny Mader und die Heilpraktikerin und Homöopathin Annelies Wiedenbauer-Schmidt auf dem Podium. Einziger Mann in der Podiumsrunde war Konrad Specker, selbständiger Bäckermeister und Bezirksrat von Oberbayern. Schnell kamen wir zur Überzeugung, dass die Überforderung der Frau als Hausfrau, Mutter und Berufstätige und der daraus resultierende Zeitmangel das Interesse an politischen oder sozialen Engagement abwürgt. Weil die Männer als Ämterträger dominieren, sehen sich die meisten Frauen gezwungen, sich zuerst ein Vielfaches an Vorwissen anzueignen, bevor sie ein Amt übernehmen. Auch die Angst, den Anforderungen nicht gerecht zu werden und zu scheitern, spielt besonders für junge Frauen eine Rolle. Frauen trauen sich eine Karriere oft nicht zu. Der Mann sagt „Ich kann das“, die Frau dagegen fragt sich „Kann ich das?“.

Dazu gab Fanny Mader zu bedenken, dass Männer sogar bei rein frauenspezifischen Belangen, wie der stationären Geburtshilfe und Hebammen, alleinige Entscheidungen treffen. Erst als sie in ihrer Gemeinde Leserbriefe zu dieser Thematik schrieb, wurde sie als Frau in die Belange und Entscheidungen miteinbezogen. Konrad Specker betonte, dass er mit seiner Frau zusammen den Betrieb aufgebaut hat. Es geht nur zusammen und dann, wenn sich jeder die Aufgabe raussucht, die er am Besten erledigen kann.

In die weiterführende Diskussion brachten die Damen verschiedener Verbände ihre Erfahrungen und Anregungen ein und so entstand ein reger und interessanter Gedankenaustausch.