15.03.2018
Equal Pay Day-Diskussionsrunde

Auch im Jahr 2018 liegt der Gender Pay Gap über der 20 Prozent-Marke: „Verstaubte Rollenbilder und gläserne Decken, an die vor allem Frauen bei ihrer Karriere stoßen, müssen endlich in die Mottenkiste und aus dem Alltag verschwinden,“ findet die Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) Landesverband Bayern Elfriede Schießleder. Aber Intransparenz und veraltete Strukturen trügen dazu bei, dass Veränderungen leider nur im Schneckentempo vorankommen. Deshalb fordert der Katholische Frauenbund mehr Tatkraft bei der Beseitigung der Lohnlücke. Unter welchen Rahmenbedingungen das Motto „Transparenz gewinnt“ zur Realität werden kann, war gestern, Mittwoch, Thema beim Diskussionsabend des KDFB zum Equal Pay Day in München.

Carsten Wippermann, Soziologieprofessor an der Katholischen Stiftungshochschule München, zeigte in seinem Vortrag: Wenn man Bruttomonatslohn und Lebenserwerbseinkommen in den Blick nimmt an Stelle von Bruttostundenlohn, dann läge der symbolische Tag, von dem an Männer und Frauen gleich verdienen, nicht im März, sondern er fiele im Jahr 2018 sogar auf den 23. Juni. In der Summe kämen Frauen während ihres Erwerbslebens so auf fast 50 Prozent weniger Erwerbseinkommen als Männer. „Und hier ist insbesondere Intransparenz ein Faktor, der Entgeltungleichheit befördert“, veranschaulichte Wippermann. Diese Ansicht spiegelten auch aktuelle Befragungen. Darin gehe ein Großteil der Befragten davon aus, dass mehr Transparenz zur Beseitigung der Lohnlücke betragen könne.

Bayerns Sozialministerin Emilia Müller betonte: „Die Gründe für den hohen Gender Pay Gap sind vielfältig und nicht neu: Frauen fehlen zum Beispiel noch häufig auf den höheren Stufen der Karriereleiter und sie fehlen in Branchen, die höhere Löhne bezahlen. Auch der Wiedereinstieg nach der Familienpause erfolgt oftmals unterhalb der Qualifikation und mit erschwerten Aufstiegschancen. Selbst ohne diese strukturellen Ursachen beträgt die bereinigte Lohnlücke in Deutschland noch etwa sechs Prozent. Transparenz bei der Bezahlung ist ein Baustein, um dem entgegenzutreten. Genauso wichtig ist aber, dass wir die strukturellen Ursachen der Entgeltgleichheit angehen. Deshalb müssen auch typisch weibliche Berufe, wie zum Beispiel im Erziehungs- und Pflegebereich, mehr finanzielle Wertschätzung erhalten.“