25.11.2019
Gespräch mit dem Vorsitzenden des Bayerischen Beamtenbundes (BBB)

„Es ist üblich, dass wir in unserer letzten Sitzung des Jahres das Ohr an der Politik haben.“ Mit diesen Worten begrüßte Wilhelm Schelchshorn, Vorsitzender des Bayerischen Beamtenbundes (BBB) für den Kreisausschuss Ingolstadt, die anwesenden Vertreter von Fachgewerkschaften und -verbänden, die dem Bayerischen oder dem Deutschen Beamtenbund zuzuordnen sind. Als Ehrengast war die Abgeordnete und Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für das Ehrenamt, Eva Gottstein (FREIE WÄHLER), gekommen, um aus der Regierungsarbeit im Landtag zu berichten. „Wir haben eine Koalition auf Augenhöhe“, zog sie eine positive Bilanz des vergangenen Jahres als Teil der Regierung, „50 Prozent der Wahlversprechen haben wir nach einem Jahr schon abgearbeitet“. Die beiden Koalitionsparteien legten dabei Wert darauf, ohne interne Streitigkeiten zu arbeiten und im gemeinsamen Gespräch Lösungen zu finden, so Gottstein. „Das schätzt die Bevölkerung.“ Dazu gehöre auch ein klares, im Koalitionsvertrag verankertes Bekenntnis zum Berufsbeamtentum, eine Bürgerversicherung dagegen lehne man weiterhin ab. Die Abgeordnete sieht es als Aufgabe der Politik, konstant die Rahmenbedingungen für Beamte zu optimieren, etwa durch sozialen Wohnungsbau und die Schaffung von Wohnungen für Bedienstete vor allem in Ballungsräumen. Schelchshorn sah diesen Punkt als wichtiges Element zur Personalgewinnung und -erhaltung. Eine aktuelle Herausforderung sei, die Attraktivität des öffentlichen Dienstes zu steigern und den durch demografischen Wandel verursachte Problemen Rechnung zu tragen. „Diese Probleme werden angegangen“, versprach Gottstein. Altersgerechte Arbeitsplätze, Wissensaustausch zwischen Jung und Alt sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nannte sie dabei als wichtige Kernpunkte. Zudem werde die Digitalisierung das Arbeitsleben immer weiter verändern. Als Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für das Ehrenamt dankte Eva Gottstein den Anwesenden ausdrücklich für ihr ehrenamtliches Engagement im BBB und den Einsatz, die Anliegen der Beamten zu vertreten. In der Diskussionsrunde kam mehrfach der Personalmangel an den Schulen zur Sprache, und zwar schulartunabhängig. Förderschulen kämpften damit ebenso sehr wie Berufsschulen, in denen laut Schelchshorn ein Generationswechsel anstehe, und auch an Gymnasien seien bei der Rückkehr zum G9 Engpässe zu erwarten. Im Grundschulbereich fänden sich fast ausschließlich Lehrerinnen, „die männliche Kompetenz geht dadurch mehr und mehr verloren“. Der Lehrerberuf müsse wieder attraktiver gemacht werden, bilanzierte Gottstein, die selbst über 36 Jahre Erfahrung im Schuldienst als Realschullehrerin und Rektorin verfügt und bildungspolitische Sprecherin der Fraktion der FREIEN WÄHLER sowie stellvertretende Vorsitzende des Bildungsausschusses ist. „Da reden wir aber über einen längeren Zeitraum von zehn Jahren.“ Die beruflichen Schulen würden mit Konzepten überhäuft, bemängelte eine Vertreterin und nannte dabei Digitalschulungen, 10-Punkte-Programm und didaktische Jahrespläne. „Das kommt alles on top. Muss das sein?“ fragte sie mit Blick auf die ohnehin dünne Personaldecke. „Wir brauchen wieder mehr Zeit“, forderte sie und fand mehr Beratungslehrer und zusätzliche Stunden für Schulpsychologen zielführender. Auch über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde diskutiert. Ein großer Anteil der Beschäftigen im öffentlichen Dienst begrüße die „Wahlmöglichkeit zwischen mehr Freizeit oder mehr Geld“, erklärte Schelchshorn, die Teilzeitquote steige. Dadurch werde allerdings die Personalplanung schwieriger. Im öffentlichen Dienst arbeitenden Eltern müssten Betreuungsperspektiven für ihre Kinder geboten werden im Gegenzug für gesicherte Arbeitszeit. Eva Gottstein versprach, diesen Denkansatz zur weiteren Attraktivitätssteigerung des Berufs aufzunehmen.