02.10.2019
Treffen der FW-Frauen in Neuburg

Mehr Frauen in die Politik

MdL Eva Gottstein (FW) spricht über Gleichstellung von Männern und Frauen (Neuburg)

„Das Ziel muss Parität sein, Parität überall.“ Dieser Satz stand im Mittelpunkt beim Treffen der Freien Wähler aus der Region 10 mit der Landtagsabgeordneten Eva Gottstein (FREIE WÄHLER) im Gasthaus Pfafflinger. Sissy Schafferhans, stellvertretende Ortsvorsitzende der FREIEN WÄHLER Neuburg und Kreisfrauenbeauftragte, hatte Gottstein eingeladen, über die Gleichstellung von Männern und Frauen zu sprechen. „Vor 100 Jahren wurde der erste souveräne Landtag in Bayern gewählt mit einer Frau als Abgeordnete“, so Schafferhans. „Heute sagen wir wieder: Es müssen mehr Frauen in die Gremien, in die Kommunalpolitik.“ Gottstein, die zuerst von ihrer Arbeit im Landtag berichtete, untermauerte dies mit Fakten. „Je näher die Ebene am Bürger, desto weniger Frauen“, sagte sie mit Blick auf den Frauenanteil, der im Europaparlament bei 40 Prozent liegt, dann aber im Bundestag (31 Prozent), im Bayerischen Landtag (27 Prozent) und in den kommunalen Gremien mit 18 Prozent immer weiter absinkt. Nur rund 7 Prozent der bayerischen Bürgermeister seien Frauen, so Gottstein. „Schickt die Männer in den Elternbeirat, die Frauen in den Gemeinderat. Das tut beiden gut“, ermunterte sie die anwesenden Frauen und Männer, bisherige Rollenmuster zu durchbrechen. Frauen hätten heute bessere Karrierechancen als früher, jedoch verdienten sie im gleichen Job bei gleicher Qualifikation immer noch rund drei Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. „Das muss sich ändern“, forderte Gottstein unter dem Applaus der Zuhörer. Die unbezahlte Arbeit im Haushalt, bei der Betreuung von Kindern oder der Pflege von Familienangehörigen würde noch immer zu einem großen Teil von Frauen geleistet, die Berufstätigkeit finde folglich vor allem in Teilzeit oder geringfügiger Beschäftigung statt, oft auch noch in Berufsgruppen, die insgesamt schlechter bezahlt sind. „Hier muss ein Umdenken stattfinden“, forderte eine junge Frau aus dem Publikum. Auch bei den Frauen selbst. Gottstein rief zu mehr Selbstbewusstsein, Verhandlungsstärke und Mut auf. Die entsprechende familiäre und schulische Bildung sei ein erster Baustein dazu. Und: „Wir brauchen mehr Frauen in der Politik.“ Im Anschluss an die Präsentation entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, in der einige Anwesende aus ihren eigenen Erfahrungen im Stadtrat, Elternbeirat oder Beruf berichteten. Angela Mayr, stellvertretende Vorsitzende der FW Ingolstadt, fand deutliche Worte: „Solange Frauen nicht bereit sind, für ihre Rechte zu kämpfen, wird sich nichts ändern.“ Für eine bessere Bezahlung und Wertschätzung in sozialen Berufen, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, etwa im Erzieherbereich, machte sich der Neuburger Stadtrat Bernd Pfahler (FW) stark. „Da ist der Staat enorm gefordert, sonst finden wir in drei Jahren keine Erzieher/innen mehr.“ Gottstein informierte, dass der Freistaat Bayern ein Zeichen gesetzt habe und etwa Schulen im Pflegebereich mittlerweile kostenfrei seien. „Was können die Firmen und Arbeitgeber zur Gleichstellung beitragen?“, fragte eine Zuhörerin und nannte gleich einige Beispiele zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, von flexiblen Arbeitszeiten, Homeoffice, Kinderbetreuung in den Randzeiten bis hin zur Finanzierung von Tagesbetreuung. „Man sieht, was die Leute bewegt“, resümierte Schafferhans. „Toll, dass bei diesem Frauenthema auch Männer da waren.“ Bildunterschrift: Landtagsabgeordnete Eva Gottstein (rechts) ermutigte vor einem aufmerksamen Publikum Frauen zu mehr Selbstbewusstsein und Mut.