12.03.2018
Tür auf. Abgeordnete unterrichten an freien Schulen Bayerns

Gerne folgte ich der Einladung zum Tag der freien Schulen, der vom Verband Bayerischer Privatschulen, dem katholischen Schulwerk in Bayern und der Evangelischen Schulstiftung in Bayern organisiert und von Montessori- und Waldorfschulen unterstützt wurde. Ziel dieses Tages, an dem Abgeordnete des Landtags an freien Schulen eine Unterrichtsstunde halten, ist es, einerseits bei Schülerinnen und Schülern Politikverdrossenheit zu reduzieren und Interesse und Neugierde für die Arbeit der Mandatsträger zu wecken, andererseits im Landtag das Bewusstsein für Schulen in freier Trägerschaft zu schärfen.

In der spannenden Zeit der Regierungsbildung in Bayern und Berlin kam ich ins Schulzenturm Kloster Rebdorf, um an den Schulen je eine Unterrichtsstunde mit den 9.- und 10. Klässler/innen zu gestalten.

Für mich war das ein doppeltes „Coming home“, da ich als Lehrerin an der Maria-Ward-Realschule jahrelang unterrichtet habe, ehe ich als Schulleiterin zum Staat und dann in die Politik wechselte.

Eine 10. Klasse stellte mirfolgende Fragen:

Wie wird man Politikerin, Frau Gottstein? Es beginnt damit, eine Meinung zu haben, sie zu vertreten und sie dann in der Öffentlichkeit zu vermitteln. Im Grund lernt man das bereits in der Schule- als Klassensprecher, als Schülersprecher, in der SMV.

Und warum sind Sie gerade zu den Freien Wählern gekommen? Das hat ein bisschen mit Ausschlussverfahren zu tun. Man schaut sich die Themen, die einem wichtig sind, in den verschiedenen Parteien an. Und bei den Freien Wählern hat es für mich gut gepasst – auch vor dem Hintergrund des Frauenbildes. Es ist mir ganz wichtig, dass eine Partei die Frauenfrage ernst nimmt.

Aber die Freien Wähler haben nur 17 Sitze im Landtag. Kann man trotzdem was bewegen? Ja, natürlich. Die Freien Wähler haben zum Beispiel ein Volksbegehren gegen die Studiengebühren auf den Weg gebracht, sie haben sich stark gemacht, dass das 9-jährige Gymnasium wieder eingeführt wird. Oder die Beteiligung der Anwohner an den Gebühren für die Straßenrenovierung, die nun abgeschafft wird. Das sind Anträge der Freien Wähler, die politisch erfolgreich waren.

Arbeiten Sie denn mit Politikern anderer Parteien zusammen? Privat versteht man sich mit vielen, völlig unabhängig von Fraktionen gut. Aber natürlich hat Politik immer auch was mit Konkurrenz unter den Parteien zu tun. Aber wir sind alle gewählt, um gute Arbeit für das Volk zu machen. Da muss man zusammenarbeiten können.

Könnten Sie sich vorstellen, dass die Freien Wähler mit der CSU zusammen regieren falls diese keine absolute Mehrheit mehr bekommen sollte? Natürlich, jeder, der gewählt wird, sollte bereit sein, in die Regierungsverantwortung zu gehen, dafür hat er ja die Wählerstimmen bekommen.

Wir hatten vor zwei Jahren hier an unserer Schule eine Willkommensklasse für Kinder und Jugendliche, die in der alten Maria-Ward-Realschule untergebracht waren, aber noch keine Aufenthaltsstatus hatten. Und jetzt haben wir eine Abschiebeeinrichtung in Eichstätt. Wie sehen Sie das? Ich war öfter in Manching im Sonderlager für Flüchtlinge mit geringer Bleibewahrscheinlichkeit. Menschlich ist das oft ganz schwierig, ohne Frage. Aber wir müssen politisch das Asylrecht sehr ernst nehmen, sonst höhlen wir es aus. Asyl bekommt man nicht, wenn man aus so gen. sicheren Drittstaaten kommt. Ihr konntet an einer kirchlichen Schule anders handeln. Für Kirche gelten Werte wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe und das ist gut so. Was ich nicht gut heiße, ist die politische Anklage von Gemeinden oder Pfarrern, die sich mutig für Flüchtlinge einsetzen.

Und noch mal zurück zur Schule: Wie würden Sie Schule gestalten? Zum einen bin ich überzeugt davon, dass wir eine Ganztagesschule brauchen, damit alle Kinder gleiche Bildungschancen haben. Und zum anderen glaube ich, dass wir viel freier denken müssen, die jungen Menschen früh zur Verantwortung erziehen, sie fürs Leben vorbereiten und nicht engmaschig kontrollieren.

Hinweis: Dieser Bericht inkl. Bild wurde zur Verfügung gestellt mit der freundlichen Genehmigung von Prof. Dr. Barbara Staudigl.