15.07.2020
Frauen in der Kommunalpolitik

Im Webinar „Frauen in der Kommunalpolitik“ (abrufbar unter https://www.youtube.com/watch?v=ndVjdA11JPs

) stellte Mina Mittertrainer, HAW Landhut, vergangene Woche ihre bisherigen Forschungsergebnisse aus dem Projekt „FRIDA – Frauen in die Kommunalpolitik“ vor. Dabei geht es um die Stärkung von Demokratie durch eine gleichberechtigtere Teilhabe von Frauen vielfältiger sozialer und kultureller Herkunft an der Kommunalpolitik. Bayern ist hier übrigens bundesweites Schlusslicht geschlechtergerechter Partizipation. Die Ergebnisse der Studie (Laufzeit noch ca. 2 Jahre)  werden in Form einer Handreichung mit spezifischen Handlungsempfehlungen für Kommunal- und Frauenpolitik zur Verfügung gestellt.

Nach der Kommunalwahl im März ist der Anteil der Bürgermeisterinnen in Bayern leicht auf 9 %, bei den Landrätinnen auf 10 % gestiegen. Im Landtag sind seit 2018 sogar weniger Frauen als vorher vertreten. Als frauenpolitische Sprecherin der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion sage ich: Das ist zu wenig! Frauen, die immerhin die Hälfte der bayerischen Bevölkerung ausmachen, müssen auch in den Gremien paritätisch vertreten sein. Denn ohne die Repräsentation von Frauen in der Politik gibt es auch keine Politik für Frauen! Ich bin sehr dankbar für die aktuelle Forschung von Mina Mittertrainer und bin schon sehr auf die Ergebnisse der Studie gespannt. Denn dadurch können Fakten aufgezeigt und mit den Handlungsempfehlungen hoffentlich Barrieren abgebaut werden, damit sich künftig mehr Frauen politisch engagieren können.

Kerninhalte des Webinars:

  • Derzeit sind die Frauen in der Kommunalpolitik stark unterrepräsentiert, obwohl die Kommunalpolitik Basis für die politische Arbeit ist. (Bürgermeisterinnen in Bayern 9 %, Landrätinnen 10 %)
  • „Aktuell gibt es in Deutschland mehr Bürgermeister, die Thomas heißen, als Bürgermeisterinnen insgesamt.“
  • Je kleiner und ländlicher die Gemeinde, desto geringer der Frauenanteil (Bsp. Stadtrat München fast paritätisch besetzt, auf dem Land dagegen gibt es immer noch Gremien ohne Frauen!): Gefühl, als gut gebildete Frau nicht ernst genommen zu werden. Viele politisch aktive Frauen sind „Zugezogene“, die sowieso als „Fremde“ wahrgenommen werden und „eh nichts zu verlieren“ haben.
  • Feedback gegenüber Frauen ist anders als gegenüber Männern.
  • Frauen kommen oft über Themen in die Politik
  • Barrieren: Politische Strukturen. stereotype Rollenbilder, Vereinbarkeitsproblematik, räumliche & intersektionale Faktoren (Details in der Präsentation von Mittertrainer)
  • Mentoring sehr wichtig, Kommunikationstraining für Mandatsträgerinnen
  • Oft fehlende Wertschätzung im Ehrenamt, Kritik überwiegt Anerkennung

Handlungsempfehlungen zur Halbzeit der Studie:

  • Quote ist guter – aber nicht alleiniger – Ansatzpunkt
  • Handreichung für gendersensible Sitzungsvorbereitung
  • Frauen ermutigen, am hohen Selbstanspruch zu arbeiten
  • Vorteile aufzeigen, Ängste abbauen durch Einblicke in die politischen Strukturen
  • Mentoringprogramme nutzen
  • Strukturen, die Frauen ausgrenzen, müssen aufgebrochen werden
  • Wiederholtes Aufzeigen der Zahlen und Fakten notwendig
  • Netzwerke sind sehr wichtig, denn in der Gemeinschaft kommt man weiter: „Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Wenn du weit gehen willst, geh gemeinsam.“