19.08.2021
Im Gespräch mit dem Eichstätter BePo-Chef Manfred Gigl

Der schon länger feststehende Termin für mein Kennenlerngespräch mit dem Leitenden Polizeidirektor Manfred Gigl, seit Jahresbeginn Chef der II. Bereitschaftspolizeiabteilung Eichstätt, hätte aktueller kaum sein können: So waren die bereits über die Presse öffentlich gemachten Informationen und Mutmaßungen zum laufenden Verfahren gegen einen Ausbilder der BePo Inhalt des Gesprächs. Er wolle seine Auszubildenden schon während der fünf Ausbildungsabschnitte darauf vorbereiten, wie sie richtig mit derartigen Situationen umgehen, bekräftigte Gigl, denn strafrechtlich relevantes Verhalten auch innerhalb des Kollegenkreises müsse innerhalb eines kurzen Zeitfensters gemeldet werden. „Dazu gehört auch, dass wir prüfen, wie wir den Ausbildungsplan bei bestimmten Themen nachschärfen können. Das sind Themen, die mich umtreiben und die ich angehen will.“ Da kommt dann auch viel Pädagogik durch, das konnte ich mit meiner langen Erfahrung als Lehrerin bestätigen.  

Mit Blick auf die Zunahme häuslicher Gewalt, bedingt unter anderem durch Einschränkungen während der Corona-Pandemie, vertraten wir beide die Ansicht, dass häusliche Gewalt in der Gesellschaft oft noch negiert werde. „Das kommt in unseren Familien nicht vor“, heißt es oft. Schon während meiner Funktion als stellvertretende Vorsitzende im Innenausschuss des Bayerischen Landtags habe ich darauf gedrängt, dass man mehr statistische Daten brauche. Gigl bestätigte dies und ergänzte, dass insbesondere Kinder, die häusliche Gewalt mitansehen müssen, auch als Opfer gezählt werden müssten. „Denn Kinder sind der Schlüssel dazu, das Thema irgendwann einmal aufzubrechen und bei der Prävention anders reagieren zu können.“

In den Bereitschaftspolizei-Standort Eichstätt, an dem rund 1.380 Menschen tätig sind, wird laufend investiert: Im kommenden Jahr sollen zahlreiche Gebäude der BePo mit Photovoltaik ausgerüstet werden, der Standort müsste dann vom Strombedarf her rechnerisch autark sein, erklärte Gigl. Außerdem ist ein neues Wirtschaftsgebäude in Planung. Mir ist die Polizei in den fünf Jahren Innenausschuss sehr ans Herz gewachsen. Die Beamtinnen und Beamten leisten viel, begeben sich dabei auch in Lebensgefahr – das wird oft unterschätzt! Dass den Einsatzkräften viel Dankbarkeit entgegengebracht wird, konnte jüngst ein rund 30-köpfiger Einsatzzug der 21. Einsatzhundertschaft aus Eichstätt bei Hochwassereinsätzen in Berchtesgaden und im Ahrgebiet erfahren: „Das waren katastrophale Situationen, die niemand für möglich gehalten hätte“, schilderte Gigl rückblickend. „Unsere jungen Leute haben dabei festgestellt, was das Notwendigste zum Leben ist, nämlich der Zusammenhalt.“ Diese Erfahrung habe wie kaum eine andere zur Persönlichkeitsentwicklung beigetragen. „Wir haben die Nachbereitung nun eingeleitet, begleitet von einem Polizeiseelsorger, der zur Stelle ist, falls etwas tiefer sitzt.“